Hopfenanbau - eine Erfolgsgeschichte

Interview mit Adi Schapfl, Vorstand des Hopfenpflanzerverbands Hallertau e.V.

Container

Herr Schapfl, warum wird gerade in der Hallertau so viel Hopfen angebaut?

Da passt halt einfach alles zusammen. Denn in unserer Heimat findet die Hopfenpflanze seit vielen hunderten Jahren alles, was sie braucht! Ausreichend Sonnenstunden, der Boden passt zu dieser sogenannten Sonderkultur und in einem normalen Jahr bekommt die Pflanze ausreichend Niederschläge.

Was ist das Besondere am Hallertauer Hopfen?

Schaut man auf die Geschichte unserer Region, kann man leicht feststellen, dass der Hopfen einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Hallertau beigetragen hat – und zwar lange vor der Automobilindustrie. 

Mit der Kultivierung der Hopfenpflanze begann letztendlich der wirtschaftliche Aufschwung in unserer Gegend. Der Hopfen ernährt schon seit einigen hundert Jahren ganze Generationen in der Hallertau. Nicht nur als wichtiger Rohstoff im Bierglas, sondern vor allem als Haupteinkommen vieler Hopfenpflanzerfamilien. Diese lange Erfahrung macht sich in der Qualität des Produktes bemerkbar. Deswegen kauft praktisch die ganze Welt unseren Hopfen!

Anwesen Schapfl Luftaufnahme

Was prägt den Hopfenbaustandort Hallertau?

Neben den natürlichen Voraussetzungen und der Erfahrung im Umgang mit dem Hopfen, die ich schon genannt habe, sehe ich vor allem drei Punkte, die zu dieser Erfolgsgeschichte beitragen: 

  • Erstens haben wir mit der Hopfenforschung in Hüll eine weltweit anerkannte Institution, die sich der Erforschung und Weiterentwicklung der Hopfenpflanze und ihrer Nutzung widmet.
  • Zweitens ist es etwas Besonderes, dass über 90 Prozent der Hopfenpflanzer in dem Hallertau Hopfenpflanzerverband organisiert sind und sich dort gegenseitig unterstützen, informieren und auch fortbilden.
  • Dazu kommt als dritter Punkt die gemeinsame Vermarktung des Hopfens unserer Mitglieder durch die Hopfenverwertungsgenossenschaft – zusammen sind wir halt einfach stärker, als wenn jeder für sich um gute Preise kämpfen müsste – und natürlich auch die wachsende Anzahl an hochwertigen Hopfensorten.
 

Wann beginnt das Hopfenjahr?

Nun, eigentlich gibt es kein wirkliches Ende des Hopfenjahres. Denn nach der Ernte müssen Maschinen gewartet und gepflegt werden, Buchhaltung und Steuererklärung stehen an, aber auch der Besuch von Messen und Fachausstellungen. 

Ich gehe, wie viele meiner Pflanzerkollegen, beispielsweise jedes Jahr zur Landmaschinen- & Gewerbeschau und der Hopfenfachmesse „HOPFA“ beim Mainburger Gallimarkt. Denn ohne Investitionen geht auch im Hopfenanbau heutzutage nichts mehr voran. 

Konkret wird es dann – je nach Wetterlage – bei uns spätestens Ende Januar, wenn wir mit dem "Draht aufhängen" beginnen. Dabei werden die Drähte, die den Hopfenpflanzen als Rankhilfe dienen, in Handarbeit an den Gerüstanlagen aufgeknüpft.

Ein Sprichwort in der Hallertau besagt: Der Hopfen will jeden Tag sehen seinen Herrn sehen.

Adi Schapfl

Warum ist das Frühjahr für die Hopfenpflanzer so arbeitsintensiv?

 Ein Sprichwort in der Hallertau besagt: „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen.“ Das gilt eigentlich für das gesamte Jahr, aber besonders am Anfang der Saison. Dann beginnt die intensive Wachstumsphase. So modern und technisiert der Hopfenanbau heutzutage auch ist: Das Hopfenandrehen ist nach wie vor mühevolle Handarbeit. Dabei werden die zarten Triebe am Aufleitdraht befestigt. Das "Andrehen" beginnt meist Ende April und dauert bis Mitte Mai. In dieser Zeit sind wir mit vielen fleißigen Helfern wirklich täglich in unseren Hopfengärten.  

Wenn der Hopfen geerntet ist, wie geht es dann weiter?

 Das ist aber jetzt ein großer Zeitsprung zwischen Andrehen und Hopfenernte! Sie glauben nicht, wie viele Arbeitsschritte dazwischen liegen, wie oft der Hopfenpflanzer sprichwörtlich jede einzelne Hopfenpflanze in der Zeit dazwischen anfasst! Ende August heißt es dann aber „Hopfazupfa“ in der Hallertau: 
Früher war die Ernte reine Handarbeit, heutzutage liefern Traktoren mit Abreißgeräten die Reben zur Hopfenernte-Maschine an der Hofstelle. Die Dolden werden maschinell von der Rebe getrennt und anschließend in der Hopfendarre getrocknet. Die ganze Holledau riecht in dieser Zeit intensiv und würzig nach Hopfen! Der getrocknete Hopfen wird gepresst und von den Höfen abgeholt, um in Hopfenverarbeitungsunternehmen, wie in St. Johann, zu Pellets oder Extrakten für die Brauwirtschaft verarbeitet zu werden. Und dann geht es eigentlich schon bald wieder von Vorne los.
 

Portrait Adi Schapfel mit Hund

Adi Schapfl 

 

Adi Schapfl ist 57 Jahre alt, Hopfenpflanzer und Vorstand des Hopfenpflanzerverband Hallertau e.V.

Er wohnt im Wolnzacher Ortsteil Grubwinn, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. In seiner Freizeit schaut er sich gern die Fußballspiele des FC Ingolstadt und der Bayern im Stadion an.